Die letzten Nächte waren voller Schlaf, voller Träume, voller Ruhe und Aufregung zugleich.
Unerwarteter Weise kann ich gerade richtig lange schlafen und mein Geist verwendet diese Zeit um den ganzen Shit einmal aufzuarbeiten, für den ihm in den letzten Monaten einfach die Zeit fehlte.
Gerade dadurch bin ich aber auch furchtbar unmotiviert, meine Gedanken hier zu verewigen, da ich erst einmal in meine Gedanken Ruhe und Struktur bringen will.
Jetzt, wo ich so viel Energie tanken kann, fällt mir auf, für wieviel Zeug ich diese Energie aber auch benötige….
Ich warte immer noch auf den Abschluss meiner Kündigung, ich warte auf Klärung.
Dann hier dieses Projekt, eigentlich will ich hier so viel mehr sozial-und medienkritische Artikel schreiben, aber wo ist die Zeit das alles zu recherchieren? Und haben diese Artikel nicht schon hunderte andere tolle Leute geschrieben und verfasst?
Dann stehen die Ferien mit viel freier Zeit an, die ich gerne im Süden verbringen würde. Aber auch da: noch keine Idee, keine Buchung, nichts.
Dann noch ein Seminar, für das ich lernen muss, wenns schon so viel Ärger verursacht, dieses Seminar, dann will ichs wenigstens ordentlich abschließen.
Und dann die anderen schlimmen Zeitfresser wie Steuererklärung, Krankenversicherung klären,  dann kam ein neues „Paket“ namens Agentur für Arbeit dazu, das muss auch organisiert werden, dann hakt mein Bankenwechsel, ich dachte endlich habe ich das auf den Weg gebracht, dann tut sich da aber leider nichts. Die alte (Post-)bank reagiert einfach nicht und verwaltet einfach weiter mein Geld. And so on….
Eigentlich habe ich gerade so viel freie Zeit. So viel Raum um alles mögliche zu erleben und erledigen. Und gleichzeitig lähmt mich dieses Wissen darum, es ist eine zähe und (positiv) unterbrochene Zeit die ich da habe. Unterbrochen insofern, dass ich ja natürlich noch zwei wundervolle Kinder habe, die immer wieder durch die Planung durchrauschen. Die mich einfach auf den Boden ziehen und mich erobern, oder die mich an die Hand nehmen und zum Fußballspielen mitnehmen, solange bis mir die Beine wehtun (was jetzt schlimm klingt, aber die taten mir leider schon nach zehn Minuten weh…).
Und insofern zäh, da ich mir denke, das geht doch noch eine ganze Weile so. Süße Elternzeit, aber wie schnell ist auch die vorbei?
Und dann überlege ich, ist mein Leben nicht viel mehr wert, als dass ich mich diesen von Außen, vom „System“, von der Verwaltung und der Erwartung anderer produzierten Aufgaben hergeben sollte? Ich schwanke zwischen dem Bedienen der Aufgaben und Erwartungen, weil sie natürlich zum Teil meine Versorgung hier im System sichern und dem Prüfen, ob es denn wirklich, grundsätzlich notwendig ist, das alles zu tun.
Ich wünschte, ich könnte mich noch viel mehr aus den allgemeinen Erwartungen und Verantwortungen ziehen, denn die meisten sind meiner Meinung nach absoluter, erfolgreich produzierter und vermarkteter Unsinn.
Meine Lieblingspostkarte im Haus ist folgende:
Dieser Unsinn ist zum Beispiel auch, dass eine Wohnung / ein Haus immer ordentlich und sauber zu sein hat. Aber ich habe das verinnerlicht und ertappe mich immer wieder dabei, dass ich schnell noch was wegräume, wenn jemand zu Besuch kommt. Aber wie irrsinnig, ist es doch mein Zuhause, meine Dinge, die ich hier liegen habe und die mit gutem Grund dort liegen. Denn wäre alles sauber, alles ordentlich, alles gut verräumt, dann fehlte die Zeit um Tore zu schießen, bis der Fuß abfällt, dann fehlte die Zeit mit einem Buch im Garten zu sitzen, dann fehlte die Zeit bergweise Pfannkuchen zu braten, dann fehlte die Zeit Freunde und Familie zu sehen. Und wo bitteschön liegen da jetzt wohl meine Prioritäten? Wie kommt es, dass ich darüber tatsächlich manchmal noch nachdenken muss?
Und so zieht sich dieser Unsinn durch alle Bereiche meines Lebens, sei es in meiner Arbeit, meiner Familie, meiner Beziehung, meinem persönlicher Stil. Für alle diese Punkte gibt es „Vorgaben“, „allgemeine Richtlinien“, ein durch die Bank gerauntes „das macht man aber so“ und all diese Vorgaben sind wie Momos grauen Männer wahre Zeitdiebe.
Und sie reihen sich in meine oben genannte Liste der Zeitfresser ein und ich habe das Gefühl, nicht nur ich, sondern wir alle könnten uns so viel Frust und Erschöpfung sparen, wenn wir wieder lernen würden unserer Prioritäten sauber und direkt zu setzen, sie so zu setzen, dass nicht unser Verstand sondern unser Gefühl uns sagt, dass es jetzt so richtig und gut ist.
Bei ein paar Entscheidungen habe ich das schon geschafft, und ich freue mich auf die nächste Zeit in der ich das immer weiter perfektionieren werde –  Moment, ich korrigiere: in der ich das ausgeschlafen und erholt perfektionieren werde :-)
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