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Mensch, Mensch, Mensch….was bin ich noch groß geworden mit dem Spruch „wehret den Anfängen!“ und ja, auch Orwell hatte ich gelesen, gehört so zu meiner Bildung dazu und ich tippe darauf, dass mein Elternhaus mir aus gutem Grund diese beiden Dinge auch mit gegeben hat.
Nun denn dachte ich mir, dann mal auf zur Anti Indect Demo. Wer jetzt nicht weiß, worum’s da geht, liest sich meinen vorherigen Post durch oder googelt das einfach mal. Gibt genug zu finden dazu.
Das Ganze war dann ziemlich enttäuschend.

Ich kann Menschenmengen überhaupt nicht größenmäßig abschätzen, aber gestern hätte das Zählen im Hunderterbereich, zu dem ja ein Zweitklässler schon fähig ist, gereicht. Und ich meine den Ein-Hunderter Bereich…..
Wir trafen uns alle in München am Stachus, da war noch ganz gut was los, vor allem das große Polizeiaufgebot ließ hoffen, dass evtl. doch noch ein paar Demonstranten erwartet wurden, auch von staatlicher Seite. Dann wurde marschiert, strammen Schrittes, wir sind mit Baby und Kinderwagen kaum hinterher gekommen. Aber hey, dynamische Aktionen sind ja auch ok. Nur was für eine Route, wer München ein wenig kennt, weiß was ich meine: Stachus, Sendlinger Tor, Oberanger, Marienplatz, Oper, Maximilianstraße, Staatskanzlei, Leopoldstraße, Brienner Straße und retour zum Stachus. Unser kleines Grüppchen hat schon ordentlich Lärm gemacht, die Polizei (die fast im 1:1 Verhältnis erschienen war) sorgte denke ich auch dafür, dass genug Menschen am Rande stehen blieben und sich diesen „aufmüpfigen“ Haufen anzusehen.
Um die Route kurz Nicht-Münchnern zu erklären liste ich einfach mal ein paar Geschäft auf, die unter anderem auf die gesamte Strecke so verteilt sind, ich denke das wirkt am anschaulichsten: Manufactum, Dallmayer, Louis Vuitton, Diesel, Versace, Montblanc, Chopard, Dior, Chanel, Nymphenburger Porzellan, Roche Bobois. Und vorher durch die am sonnigen Samstag nur mit shoppenden Menschen bestückte Innenstadt und teilweiße Fußgängerzone.
Worauf ich jetzt hinaus will, sind die Menschen, die uns am Straßenrand beobachtet haben. Wirklich auf gesamter Strecke sind die anderen Passanten wie in einem Spalier stehen geblieben und haben uns beobachtet, gefilmt, fotografiert. Ui, die Exoten mit den Vendetta Masken. Wir wurden begafft und beobachtet und was mir am häufigsten ins Auge gestochen ist, wir wurden von meistens sehr nobel gekleideten Jugendlichen, die uns mit ihren Smartphones filmten, belächelt. Aber den Info Zettel, der verteilt wurde, den haben sie auch noch abgelehnt. Ich weiß auch nicht, mich hat das dermaßen traurig gemacht, dass diese shoppenden und für mich in dem Moment so oberflächlich wirkenden Passanten – und vor allem die vor den oben genannten Geschäften- mit einem dermaßenen Hochmut auf uns reagiert hatten. Natürlich waren das nicht alle Reaktionen, viele haben sich die Flyer auch direkt durchgelesen, ich hatte das Gefühl, manche Paare sind darüber ins Gespräch gekommen, etc. etc. Aber dennoch, ein schaler Beigeschmack bleibt.
Wir versuchen, durch unser Auftreten in der Öffentlichkeit auf einen Prozess aufmerksam zu machen, der noch in der Plan- und Versuchsphase ist, der aber, sollte sich das ganze etablieren, für ähnliches Aufsehen, wie der „Nacktscanner“ oder der RFID – bestückte Personalausweis sorgen wird. Wollen wir ähnlich dem System in Großbritannien von Überwachungskameras begleitet werden? Wollen wir tatsächlich eine Gesellschaft sein, die auf dem Argument aufbaut: wenn man aber doch nichts zu verheimlichen hat…..? Nein, ich glaube nicht, ich denke der freiheitliche Geist den Deutschland ausmacht, der uns auch zur führenden Dichter- und Denker Nation gemacht hat, dieser Geist wird genau das verhindern. Und ich hoffe sehr, dass wir mit unserer kleinen Demonstration dafür gesorgt haben, dass ein paar mehr Wellen geschlagen werden und sich dieses Thema in der Öffentlichkeit etabliert und von ganz Deutschland rigoros abgelehnt wird!
Stoppt INDECT und stoppt die Forderung nach mehr Überwachung!
Wenn ihr Regierenden mehr Sicherheit und mehr Ruhe wollt, dann greift die Themen an der Wurzel an, lange genug sind die Misstände schon bekannt, mehr Kameras sorgen da nicht für Veränderungen!


Herumlungern, d.h. „zu lange“ an einem Ort sitzen, sowie Trinken in der Öffentlichkeit: beides Merkmale, bei denen Kameras automatisch aktiv werden könnten. Stellt euch das mal in Italien oder Spanien vor, wo sich die Alten des Dorfes dort doch manchmal stundenlang auf eine Parkbank setzten, einfach so! Oder sind das konspirative, terroristische Keimzellen?


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