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Ich habe Masken auf und ich hab viele Masken zur Auswahl. Täglich zieren sie mein Gesicht. Es sind auch nur ganz kleine, ganz dünne, ganz filligrane Masken, fast nicht sichtbare Masken. Meistens bemerke ich sie auch erst wenn ich sie abnehme. Wenn ich sie absetze fällt mir erst auf, dass ich eine aufhatte, so gut passen sie sich meinem Gesicht an. Und dann begrüße ich sie wie einen alten Freund. Selten nur nehme ich sie überhaupt an mir wahr, wie ein Haar, dass sich in meinem Mund verfangen hat, wie Mohn zwischen den Zähnen.

Ich stelle sie mir gerade vor, ich stelle mir gerade vor, dass ich meine Reihe Masken an der Wand hätte so wie ein anderer seine Krawatten im Schrank. Aber das wäre zu absichtlich, so als ob ich sie mir aussuchen würde und auch könnte. Als ob ich frei entscheiden würde, wann ich welche trage, als wäre ich immer frei, die Masken abzulegen.


Aber wann ich sie aufziehe liegt meistens nicht an meinem obersten Willen, sondern es geschieht.Sie seitzen wie angegossen auf meinem Gesicht und gestalten mein Wirken nach Außen.
 Nein, ich bin nicht gut mit Ihnen, es sind keine Freunde, keine Helfer, aber sie machen mir auch keine Angst. Ich fürchte sie nicht, habe trotz allem das Gefühl, ich weiß genau, ich muss sie so schnell wie möglich abziehen.
Ich kann ein Erfolgsbarometer ablesen, je so schneller ich die Maske abnehmen kann, umso besser fühle ich mich mit mir. Als wäre ich die ganze Zeit in einem Endkampf, meiner Competition, meinem Wettkampf mit mir selber.
Ich könnte dahin übergehen, die Masken einfach bunter zu machen, finde ich auch eine schöne Idee. So dass sie ihren eigentlichen Zweck gar nicht mehr erfüllen können. Wenn sie sich mir aufziehen, oder wenn ich sie  mir aufziehe. Dann hätte ich eine fröhliche Maske im Gesicht, fröhlich, aber eben auch nur eine Schicht, eine Hülle, wieder eine Maske.

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