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 Ich habe ja gerade so einige Bewerbungsgespräche. Mein Wunsch ist es in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich mir morgens nicht Gedanken darüber machen muss, ob die Hose „bürotauglich“ und ob der Rock einen cm zu kurz ist. Ich will so wie ich mich in der Früh aus freien Stücken anziehe auch ins Büro gehen können. Und das ist an vielen Tagen sicher total mainstream tauglich, aber in vielen Büros wäre mein Leoparden Catsuit aus den 80gern sicher nicht so gerne gesehen und auch Baggy und Cap gehen meistens nicht. Mein letzter Arbeitgeber war in der Hinsicht extrem entspannt, ein Vorteil der Werbewelt.
Jetzt aber sieht es bei den Bewerbungsgesprächen zum Teil schon ganz anders aus. Ich kann ja mit meinen Bewerbungen schon steuern, kann nur bestimmte Firmen und Unternehmen in meine Auswahl nehmen. Genau das tue ich auch. Und dennoch sitze ich oft Kostümträgerinnen und Anzugträgern gegenüber.
Neulich in der Ubahn hatte ich den Gedanken.
Ich war auf dem Weg zu einem Gespräch und an einer Haltestelle stiegen zwei Männer, geschätztes Alter um die vierzig, ein. Beide im Anzug, mit Aktentasche, Brille und Wollschal um den Hals. Nicht total schick, aber eben Anzug. Sie sahen in meinen Augen so aus, als ob sie diesen Anzug schon seit etlichen Jahren tragen würden. Und ich weiß ich kann nicht in anderer Menschen Köpfe blicken, aber mir kam doch der Gedanke: wenn man diese beiden Männer fragen würde, was in ihren Augen eine „ganz verwegene Aktion“ wäre, wann sie das letzte Mal so richtig aus der Reihe getanzt sind: ich glaube die Antworten wäre mau. Und ich hatte für mich den Gedanken, das wäre vielleicht vor vielen Jahren noch nicht so gewesen, als ob diese Männer, die ich einfach mal stellvertretend hier mit einbeziehe, ohne sie zu kennen, sich im Rahmen der Gewöhnung an Bürokleidung auch charakterlich verändert hätten.
Ist es denn so, dass nicht nur der „Alltag“ uns Menschen verändert, sondern eben auch die Art und Weise wie bestimmte Systeme uns „anziehen“ und „erscheinen lassen“?
Will sagen, verändern wir unsere Gewohnheiten auch dadurch, dass wir uns über unsere Kleidung, über unser Erscheinungsbild auch immer mehr dem Stereotyp dieses Erscheinungsbildes angleichen?
Kommt daher mein Missmut und mein Unwille, Stoffhose und Kostüm, Bluse und Pumps in der Arbeit zu tragen? Weil ich befürchte, diese mir jetzt noch als Verkleidung erscheinenden Kleidungsstücke irgendwann als ganz normal und schön zu empfinden und sich parallel dazu auch mein Charakter der großen Menge anpasst und „gleicher“ wird?
Ich meine, ich bin kein totaler Freak, ich lebe nicht unglaublich wild und ausgelassen, aber mein Kopf, meine Einstellung und meine Sicht der Dinge will ich mir frei und wild bewahren.

Naja, alles keine wahnsinnig neuen Erkentnisse, aber das Kleidung und Repräsentations Themen sind für mich hier gerade wirklich wichtig nachdem ich mich ja gerade auf dem „Markt“ präsentieren muss um neue Arbeit zu finden. Und ich habe einfach überhaupt keine Lust auf „so anziehen, wie es sich gehört“ und auf so etwas hier: http://h30458.www3.hp.com/de/de/ent/1017223.html  – http://www.sueddeutsche.de/karriere/fettnaepfchen-im-buero-bloss-nichts-falsch-machen-1.999348-7





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