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Die Woche habe ich den größten Schocker meines bisherigen Lebens gehabt.
Mein Totalschaden-Unfall auf der Autobahn? Nicht so schlimm wie der Fieberkrampf meiner kleinen, 1,5 Jahre alten Tochter.
Ich dachte, meine Tochter stirbt in meinen Armen und ich kann nichts, gar nichts tun, weil ich nicht weiß, was passiert.
Mit erhöhter Temperatur fing der Tag an, nichts Besonderes also. Sie schlief viel, gegen 18.oo wurde sie wach und legte sich aber gleich wieder an meiner Schulter ab. Ich saß mit ihr auf der Couch, weil ich mir sicher war, sie schläft wieder ein. Ihre erhöhte Temperatur war nun Fieber, das spürte ich, aber sie beim Einschlafen mit Fieber messen stören wollte ich auch nicht.
Auf einmal krampfte ihr ganzer Körper, nicht wild und zuckend, sondern eher ganz ruhig und starr. Ihre Augen schauten irgendwo schräg an die Decke, sie röchelte nur noch ganz leise und aus ihrem Mund floß vorne ihre Spucke in kleinen Bläschen auf meine Schulter. Der weiche, sanfte Körper meiner Tochter war fremdbestimmt, Fieberbestimmt, sie war bei mir auf dem Arm aber ich konnte sie nicht schützen!
Immer noch, wenn ich das hier schreibe oder erzähle schießen mir die Tränen in die Augen, ich hatte so Angst, ich hatte sogar den Begriff Fieberkramp im Kopf, aber ich hatte keine Ahnung was das ist, was ich tun soll, ob ich schnell irgendwie handeln muss um sie zu retten.
Mein Sohn stand mit im Raum, er hat in der ersten Millisekunde die Panik gespürt, er weinte und wollte sofort aus der Tür stürmen und abhauen. Ich rief ihn zurück, rief meine Mutter (Ärztin) an, sie war nicht da. Rief die Polizei an, weil ich nicht mehr wusste, welche Nummer – 112 oder 110 – richtig war. Rief den Notarzt. Schickte meinen Sohn zur Nachbarin.
Und die ganze Zeit mein Tochter auf meinem Arm, ihr heißer krampfender Körper, ich voller Angst, voller Schrecken, so hilflos, so unwissend!
Dann, nach 30 Sekunden oder einer Minute, keine Ahnung, war es wieder vorbei. Sie wurde wieder weich, der Körper entspannte. Die Nachbarin kam, half mir durch ihre Anwesenheit. Beruhigte mich und sagte mir, dass alles ok ist. Ich war so dankbar und so froh dass es meiner Tochter wieder besser ging. Sie glühte immer noch und war vollkommen geschafft. Trank gerade ein paar Schlucke, dann legte sie sich wieder hin. 
Mein Sohn war draußen, wartete auf den Notarzt. Er war nur froh, raus zu sein und das nicht sehen und erleben zu müssen. Er kam rein und rief, der Krankenwagen ist da.
Mit Blaulicht und Sirene fuhren sie vors Haus.
Ein paar Minuten später, der Notarzt mit Blaulicht und Sirene.

Im Endeffekt war alles was sie tun konnten, ihr ein Fieberzäpfchen geben. 
Ein Fieberkramp halt. Kommt eben vor. Die einen Kinder haben’s, die anderen halt nicht.
Neun Jahre lang bin ich schon Mama, aber Fieber hatte ich tatsächlich noch nie bei meinen Kindern erleben müssen bis dato.
Und dann gleich so. 

Und tatsächlich, auf einmal erzählen mir viele, dass ihre Kinder das auch hatten. Mehrfach sogar. Zum Teil mit Krankenhaus-Aufenthalten, ewigem Fiebersenken, etc. Und jede und jeder teilte mit mir das Erlebniss des absoluten Schreckens beim ersten Krampf.

Ich will das Erlebte teilen, denn ich bin mir sicher, es gibt viele, so wie ich, die keine Ahnung davon haben. Und wenn ich so einen Artikel früher schon gelesen hätte, wäre mein Schrecken sicher etwas weniger gewesen.
Einfach das Wissen, dass der Krampf grausig anzusehen ist, aber vorbei geht. Das Wissen, dass es nichts Schwerwiegendes ist und nach kurzer Zeit vorbei geht, das Wissen hätte mir sosehr geholfen. Jetzt musste ich da halt mit Todesangst durch. Und ich hoffe nur, dass es kein nächstes Mal gibt. Aber wenn doch, weiß ich wenigstens was zu tun ist: 
Kind kühlen, Kind beobachten und warten bis alles vorbei ist und dann mit dem Kinderarzt sprechen, was weiter zu tun ist.

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