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Vorgestern habe ich hier aufgegriffen, dass laut aktuellem Stand der Dinge im Sommer 2015 die freiberufliche Hebammentätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden kann.

Und? Denken sich vielleicht Frauen und Männer landauf und landab, es gibt ja immer noch Frauenärzte und Hebammen in Krankenhäusern. Und, raus kommen die Kinder immer, oder, höhö?

So einfach ist das Thema jedoch leider nicht abzubügeln.
Seit Jahren schon ist klar, dass die steigenden Haftpflichtversicherungssummen den Berufsstand der Hebammen sukkzessive vernichten. Seit Jahren kämpfen viele Menschen in Deutschland genau dagegen an.
Und dennoch, das Ergebnis wurde nicht verändert.

Aber was heißt das nun? Was bedeutet die freie Hebammenarbeit denn für Deutschland und für die hier lebenden Familien, Frauen, Männer, Kinder?

Ich kann natürlich nur meine Sicht der Dinge widergeben, nicht alle Facetten kann ich erklären, vor allem weil natürlich auch die gewichtigsten Argumente und Gründe sicher am besten direkt von den Hebammen erläutert werden können.

Dennoch, hier meine bescheidene Meinung.

Für mich persönlich sind zwei Punkte die wichtigsten:

Meine Entscheidungsfreiheit
&
Die Freiheit meines Körpers

So, ich denke, diese beiden Punkte können doch in der breiten Masse für einen Konsens sorgen, oder wünschten und fordern wir nicht alle genau dies für uns selbst?

Wie können wir dann hinnehmen, dass zukünftig Frauen und ihre Familien keine freie Wahl des Geburtsortes mehr haben, da sie ausschließlich darauf angewiesen sind, ins nächste Krankenhaus zu fahren, sollten sie fachmännische (und versicherte) Hilfe während der Geburt in Anspruch nehmen wollen.

Privatgeburten oder Geburten in Geburtshäusern wird es nicht mehr geben, wenn keine Versicherung mehr bereit ist zu finanzierbaren Summen Hebammen zu versichern.

Wir Frauen werden in der Entscheidung beschnitten, welche Person ihres Vertrauens sie während der Schwangerschaft  & Geburt untesucht und begleitet. Und genau das greift meine Überschrift ja so marktschreierisch auf:
in Zukunft kann ich nicht mehr aussuchen, wer mit den Finger in meine Süße schiebt während der Geburt.

Eine Hebamme kann mich zuhause untersuchen.
Sie kann meine Privatgeburt begleiten.
Sie kann meine Geburt als Beleghebamme im Krankenhaus begleiten.
Sie ist ein wertvolle ergänzende oder alleinige Beraterin  während der SChwangerschaft und Geburt.

Das alles bedeutet: ich als Frau kann für mich entscheiden, wem ich meinen Körper, mein ungeborenes Kind, mein Innerstes, mein Intimstes, meine Ängste, Sorgen, Freuden und Wissenslücken anvertraue!
Noch!
In einem Jahr ist das passé!

Auch wenn es vielleicht noch dauert, bis ihr euch für Kinder entscheidet, oder wenn die Kinder schon groß sind oder auch wenn ihr euch nie für Kinder entscheidet, liegt euch denn nichts daran, dass eure intimsten Rechte gewahrt werden und ihr als mündige Bürgerinnen über euer Wohl frei entscheiden könnt?
Wie könnt ihr hinnehmen, dass Versicherungsträger für euch entscheiden, welche ärztliche Versorgung ihr auswählen könnt?
Warum lese ich in so wenig feministischen Blogs etwas über dieses Thema?

Leute, meine Vagina gehört mir und ich bin heilfroh, dass ich meine zwei Geburten bereits erlebt habe und keine weiteren plane.
Aber wenn ich mir vorstelle, dass meine Tochter in vielleicht zwanzig Jahren auf dem Land in Deutschland wohnt und als einzige Optionen hat:
alleine zuhause gebären oder
ins einzige Krankehaus weit und breit zu fahren
dann will ich nicht in ihrer Haut stecken und eigentlich will ich dann gleich meinen Kopf in den Sand stecken, denn sie wird mich fragen, warum wir dies geschehen ließen.

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