Heute wieder: eine Diskussion über Pegida, Neurechts, Querfront und die statt findenden Demos in Deutschland.
Zusätzlich der heutige Online-Leitartikel der Süddeutschen Zeitung.
Und mittendrin: Ich. Links – Pazifistin – Feministin  (- und wäre das Wort nicht schon so blöd besetzt, würde ich jetzt auch außerhalb der Klammern schreiben: Sozialistin)
Im letzen Jahr bin ich immer mal wieder seit langem auf Demonstrationen gegangen. Auf Demonstrationen für Frieden.

Ganz selten war ich in München auf der Montagsmahnwache – das war mir jedoch zu diffus und zu strange.
Dann spaltete sich daraus eine Bewegung namens Occupeace ab, mit der klaren Ansage gegen Verschwörungstheorien, gegen Rechts, gegen „alternative Medien“ wie Compact o.ä. Doch auch Occupeace schlägt manchmal in eine Kerbe, die ich nicht unterstüzen will.
Dann ging ich auf die eine Friedenswinter Demo in München, da ich die offenen Briefe und Infotexte zur Demonstration fast zu 100 Prozent vernünftig und absolut Eindeutig fand: Für Frieden, gegen Rechts, gegen neurechts, gegen Ausgrenzung und Hass. Siehe hier und hier.

Und jetzt: egal wo ich im Internet oder in der Presse über Frieden und den Friedenswinter lese: es geht im Kontext immer um antisemitische Vorwürfe, Verschwörungstheorien, eine Querfront oder ähnliches.

Auch heute wieder in diesem SZ Artikel, Zitat: „Auf sogenannten Montagsmahnwachen und den Demonstrationen zum „Friedenswinter“ versammeln sich in deutschen Städten antisemitische Verschwörungstheoretiker, Mitglieder der Linkspartei, und alte Friedensbewegte.“

Und ja: ich könnte Kotzen, denn egal wie zögerlich, reflektiert und wachsam bzgl. möglicher schräger oder rechter Störungen ich mich verhalte, ich kann momentan nicht anders, als neben irgendwelchen Backpfeifen auf der Straße zu stehen, wenn es um Frieden geht.
Und ich werde mich hüten, selbst eine Demonstration für Frieden zu organisieren, denn ich kann die Sekunden abzählen, bis Elsässer Leser, Afd Wähler, Pegida Anhänger, Npd Freunde und Aluhutträger zusagen.
Ich habe keinen Bock neben Karl Richter in München zu stehen (weil er sich einbildet, in der Friedensbewegung auf Stimmenfang zu gehen) oder andereb Idioten, die nicht verstehen, dass unsere Welt eine bunte, fröhliche, weltoffene, tolerante Welt ist.
Ich habe keinen Bock auf Idioten, die mir erzählen wollen, dass die Lügenpresse Deutschland manipuliert oder wir nur Angestellte einer Deutschland GmbH sind.
Darauf habe ich keinen Bock, denn mein Verstand ist geschärft genug um diese seltsamen Weltanschauungskonstrukte Stück für Stück demontieren zu können.

Gleichzeitig spüre ich aber auch in mir, dass ein kleiner Wutbollen wächst. Dieser wächst, seit dem Tag, an dem ich das Gefühl hatte, dass eine Friedensbewegung durch all diese Presseberichte aber auch gar keine Chance mehr hat hier in dem Land in dem ich wohne. Ich habe große Lust, die Journalisten zu fragen, welche Bewegung, welche Demonstration ich besuchen kann, ohne in diesen Topf geschmissen zu werden.
Denn ICH WILL FÜR DEN FRIEDEN AUF DIE STRASSE GEHEN.
Nur wie gesagt, selbst der Friedenswinter, der von der sogenannten „alten “ (=guten) Friedensbewegung mit organisiert wurde, ist in allen Berichten als antisemitisch, verschwörerisch und überhaupt total „falsch in der Idee und Ausübung“ dargestellt. Dass zum ersten Mal seit langem 4.ooo Menschen für Frieden auf die Straße gingen scheint fast nebensächlich, denn natürlich fanden sich auch dort wieder irgendwelche Idioten und selbstverständlich musste auch Ken Jebsen wieder auf eine Bühne hüpfen, denn vor lauter Narzissmus  hat auch er nicht verstanden, dass er damit nicht hilft die Friedensbewegung zu stärken, sondern nur mithilft, diese weiter zu demontieren.

Und nun: was kann ich tun, wo kann ich hin, mit wem kann ich reden um nicht bei diesen Quatschköpfen positioniert zu werden? Denn ich finde es total ok vorsichtig und vielleicht auch übervorsichtig zu handeln, denn auch ich will auf keinen Fall ein Multiplikator für rassistisches oder diskriminierendes Gedankengut sein. Und doch habe ich ja schon über die Montagsmahnwachen geschrieben, ich habe den Friedenswinter mit Text und Anwesenheit quasi unterstützt. Und gleichzeitig distanziere ich mich von sämtlicher rechter Scheiße, bzw.muss mich gar nicht „distanzieren“, denn es gibt da nichts, von dem ich weg rutschen müsste. Ich bin seit jeher sowas von links und werde das auch mein Lebtag bleiben, denn links bedeutet für mich offen, sozial und ohne Grenzen tolerant zu sein.

Muss ich jetzt also auf mein Hauptanliegen – den Frieden – verzichten, da ich dafür momentan in Deutschland nichts tun kann, ohne in 12 mediale Fettnäpfchen zu treten?
Oder doch noch mal anders gefragt:  gibt es denn jemanden, dem es nützt, dass die Friedensbewegung so denunziert und zersplittert wird?