Vor Monaten startete Pegida in Dresden. Vor Monaten gab es eine breite Empörungswelle deutschlandweit über die zum Teil erschreckend naiv geäußerten rechtsgerichteten Parolen und Meinungen, die dort teilweise vertreten wurden. Eine meiner Meinung nach wertvolle Diskussion entstand, in der sich in der Gesellschaft die Erkentniss ausbaute, dass es eine gehörige Portion Alltagsrassismus gibt, die oft simpel und naiv unreflektiert reproduziert wird. Mal wieder wurde medienwirksam und zum Teil extrem witzig jede Äußerung von „Ich habe nichts gegen [Ausländer, Islam, Flüchtlinge,…], aber….“ demontiert und auch ich kam immer wieder an Punkte, bei denen ich neue Aspekte beleuchten wollte und musste.

Also alles in allem eine recht kontruktiv wirkende Diskussion, die dazu führte, dass wir vor einem halben Jahr hier in München eine ca. 20.ooo Mann starke Gegendemonstration gab. Nur war der lange Atem leider nicht lang genug, mehrmals wiederholten sich die Gegendemos immer Montags aber schlichen sich langsam aus, so dass seit Wochen schon nur noch einige wenige zur Gegendemonstration gegen Bagida auf die Straße gehen. Eine verdammt wichtige Gegendemonstration, wenn man bedenkt, wer da in München alles aufläuft aund mitlief und dass auch dort Personen auftauchen, die im aktuellen NSU-Terror-Prozess als Zeugen oder Angeklagte involviert sind. Also keine bürgerlichen AFD-Rechten sondern ausgesprochen „politische“ Köpfe, die gerne auch die klassischen Klischees von radikal, gewaltbereit und breit organisiert bedienen. Es berichten hier mal exemplarisch die Bild und SZ.

Letzen Montag kann ich von meinem Mann berichten, dass es leider immer schrägere Formen des Polizeischutzes auf den Anti-Bagida-Demos gibt.
O-Ton eines Polizisten: „Erst kommen die rechten Nazis, dann die linken Nazis“Polizist beim Finden von Aufklebern bei einem durchsuchten Gegendemonstranten: „Hier hast du deine linken Straftaten“
Mehrere Zivilpolizisten, während eine Festnahme eines Gegendemonstranten gefilmt wurde, rempelten den Filmenden an, stellten sich in den Weg, bedrängten und pöbelten, nötigten ihn, so dass er keine Möglichkeit hatte, weiter zu filmen (was übrigens abslolut rechtens ist, also das Filme meine ich)

Ich bin ja trotz aller Erfahrungen immer noch so bürgerlich, dass ich im Grundgedanken die Polizei verteidige und den meisten für ihren Job irgendwie auch danke. So wie ich allen danke, die ihre Jobs fürs Gemeinwohl ausüben. Nur kann ich langsam keine Verhältnismäßigkeit mehr erkennen, wenn das SEK hart bestrapst mit Blickrichtung zur Gegendemonstration steht und diese mit Durchsuchungen, etc. schikaniert, während hinter ihrem Rücken landesweitbekannte, organisierte Rechte stehen, die sich einen anständigen und putzigen gutbürgerlichen Anstrich geben. Schon mal vom Wolf im Schafspelz gehört? Schon mal von „auf dem rechten Auge blind“ gehört?
Wo sind wir hier in Deutschland, wenn jeder, der auf eine gegen rechts Demo geht als linker Antifaschist gilt, in feinster Auflösung dauer-gefilmt wird von den Einsatzwägen und von der Polizei als linker Gewalttäter abgetan wird? Wie sehr feiern wir dann noch die Zivilcourage, wenn offenes einstehen gegen rechts immer noch verdächtig und suspekt ist?

Wo gehen wir hin, wenn der Verfassungsschutz in rechten Terror involviert scheint, wenn Polizisten rechten Terror mit „linker“ Gegendemo gleich setzen und Aufkleber auf dem selben Niveau stehen wir terroristische Organisationen und Morde?